Menschen überschätzen, was sie in sieben Monaten erreichen können und unterschätzen, was in sieben Jahren möglich ist. Wenn die erste Priorität in der Karrieregestaltung nicht schnell genug realisierbar ist, geben viele Menschen bewusst oder unbewusst auf. Sie holen damit nicht das Optimum aus den verbleibenden Möglichkeiten heraus.
Peter Näf
Zürich, März 2026
Eine junge Frau kam zu mir in die Standortbestimmung, da sie sich in ihrem aktuellen Job unglücklich fühlte. Sie erhielt zu wenig Aufgaben, die ihrem Qualifikationsniveau entsprachen – und wurde entsprechend unter Wert eingesetzt. Kurz: Sie war unterfordert und fühlte sich nicht ernst genommen.
Ihr zurückhaltendes Auftreten und ihre unsichere Kommunikation verstärkten diesen Eindruck zusätzlich: Im Unternehmen nahm man sie nicht wirklich als kompetente Leistungsträgerin wahr. Ihr Selbstbewusstsein war durch einige Misserfolge angeschlagen.
Kurzschlusshandlungen erkennen
Sie hatte einen Abschluss einer renommierten Hochschule und Praktika bei erstklassigen Unternehmen. Zudem hatte sie eine Zusage für eine weiterführende Ausbildung im Ausland. Wegen äusserer Umstände verzögerte sich der Start jedoch stark und das Angebot wurde letztlich zurückgezogen. Unter finanziellem Druck nahm sie schliesslich die aktuelle Stelle an.
In unserer Diskussion wurde klar: Sie hatte die Stelle zu wenig kritisch geprüft. Jetzt sass sie in einer Rolle fest, die nicht zu ihr passte – und kurzfristig liess sich daran kaum etwas ändern.
Damit tat meine Kundin, was ich oft bei jungen Menschen am Anfang der Karriere beobachte: Sie setzte alles auf eine Karte. Als ihre Rechnung nicht aufging fehlte ihr ein Plan B. In dieser Situation nahm sie den erstbesten Job an, nach dem Motto: «Da ich mein grösstes berufliches Ziel ohnehin nicht erreiche, ist jeder Job so gut wie jeder andere.»
Karriere ist ein Marathon und kein Sprint
Dieses Verhalten ist aus zwei Gründen ungeschickt. Erstens ist die «Traum-Karriere» oft idealisiert. Wir laden sie mit Vorstellungen auf, die der Realität kaum standhalten. Und selbst wenn Plan A aufgegangen wäre: Das Resultat wäre vermutlich anders gewesen, als wir es uns ausgemalt haben.
Und zum anderen dauert die Entwicklung einer Karriere viel länger, als wir uns das meist vorstellen. Sich ein Ziel zu setzen ist wie bei jedem Projekt nur der Anfang – die grosse Arbeit ist die Umsetzung. Und diese ist selten so geradlinig, wie wir sie uns vorstellen (siehe Artikel «Alle Wege führen nach Rom – auch wenn es etwas länger dauert.»).
Schonen Sie also Ihre Kräfte am Anfang der Karriere, damit Ihnen nicht mitten in Ihrem Karriere-Marathon die Puste ausgeht!
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